Wohlfühlfaktor Raumluft – (2/3)

Im zweiten Teil der Artikelserie „Wohlfühlfaktor Raumluft“ erfahren Sie mehr über die möglichen Auswirkungen eines zu trockenen Raumklimas.

Auswirkungen auf die Atemwege

Ob auf dem Weg zur Arbeit mit Bus oder Bahn, beim Abgeben der lieben Kleinen im Kindergarten, spätestens jedoch in Gesellschaft der Kollegen am Arbeitsplatz befindet sich der menschliche Körper im Kampf mit einer Vielzahl von krankheitserregenden Mikroorganismen. Insbesondere die Schleimhäute der Atemwege, von der Nase und dem Mund, über die Bronchien bis zur Lunge stellen hier unsere erste Barriere gegen unerwünschte Eindringlinge dar.

Innerhalb der Atemwege des Menschen findet ein kontinuierlicher Selbstreinigungsprozess statt. Dieser Prozess wird entscheidend durch die Raumluftfeuchtigkeit beeinflusst. Ihr größtes Potential entfaltet diese Selbstreinigungskraft laut Univ.-Prof. Dr. J. Peter Guggenbichler, Klinik für Kinder und Jugendliche der Universität Erlangen, bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 45%.

Einer amerikanischen Studie von Forschern der Mount Sinai School of Medicine (New York) ist die Lebensdauer von Viruspartikeln ist bei einer Luftfeuchte oberhalb 50% um ein Vielfaches kürzer als bei einer Luftfeuchte zwischen 20% und 40%. In diesen Bereichen sind Virenpartikel in der Atemluft am stabilsten und haben die längste Lebensdauer.

Des Weiteren besteht eine Abhängigkeit zwischen der Luftübertragung (gemessen an Reichweite und Verweildauer) von Ausatmungströpfchen und der relativen Luftfeuchte. Je trockener die Umgebungsluft, desto schneller verdunsten die Aerosole der Atemluft und legen so den „Kern“ des Tropfens frei, der durch seine geringere Masse und Abmessungen nun länger in der Luft verbleiben kann. Durch die Verdunstung steigt auch die Konzentration an Virenpartikeln in den verbleibenden Tröpfchen, wodurch die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung durch dieses Atemtröpfchen erhöht wird.

Eine hohe relative Luftfeuchtigkeit bringt die Atemtröpfchen dazu, mehrt Wasser um sich herum anzusammeln, wodurch sich ihre Oberfläche vergrößert und das Gewicht erhöht. Die Tröpfchen sinken schneller zu Boden und verbleiben kürzer in der Luft. Das Übertragungsrisiko sinkt.

Auswirkungen auf die Augen

Arbeit am Computerbildschirm über längere Zeit ist Schwerstarbeit für die Augen. Haufige Folgen dieser Überbeanspruchung sind oft geschwollene Augenlider, Rötungen, Fremdkörpergefühl, Brennen und eine erhöhte Lichtempfindlichkeit.

Eine zu geringe Benetzung der Augenoberfläche mit Tränenflüssigkeit ist eine der möglichen Ursachen für diese Symptome. Das sogenannte „Trockene Auge“ sollte man nicht als einfache Befindlichkeitsstörung abtun, ernsthafte Augenschäden können die Folge sein.

Der Tränenfilm auf dem Auge schützt die Oberfläche von Umwelteinwirkungen. Eine unvollständige Benetzung des Auges kann zu erheblichen Reizungen, Augenbrennen und Rötungen bis zu einer Entzündung der Bindehaut führen.

Trockene Raumluft begünstigt die Verdunstung des Tränenfilms. Dieser Effekt wird durch stundenlanges Starren auf einen Bildschirm verstärkt, da hier zusätzlich die Frequenz der Lidschläge abnimmt, die den Tränenfilm auffrischen. Eine langanhaltend niedrige Luftfeuchte kann gar zum Reißen des Tränenfilms führen.Bei empfindlichen Menschen empfiehlt sich daher die Verwendung von Augentropfen als Tränenersatzmittel.

Auswirkungen auf die Haut

Auch die Schutzfunktion der Haut wird durch trockene Raumluft beeinträchtigt. Niedrige Luftfeuchte macht die Haut spröde und rissig. Viele Büroangestellte haben trockene, zum Teil juckende Haut, meist zwischen den Fingern oder an den Unterschenkeln. Erkrankungen wie Neurodermitis oder Schuppenflechte werden durch trockenes Klima ebenfalls begünstigt. Die Hautrisse stellen eine Passiermöglichkeit für die unterschiedlichsten Stoffe dar, was Reizungen hervorrufen und Dermatosen verursachen kann.

Elektrostatik

Elektrostatische Aufladung wird durch trockene Luft begünstigt. Sie entsteht immer dann wenn Bewegungs- und Reibungsenergie zwischen unterschiedlichen, nicht leitfähigen Materialien wirkt. Kunststoffoberflächen von Druckern oder Kopierern und synthetische Textilien (Kleidung, Schuhe, Teppiche, Sitzbezüge) laden sich besonders leicht mit statischer Energie auf.

Die Berührung von aufgeladenen Gegenständen setzt Menschen unter Spannung, die sich dann bei Berührung geerdeter Gegenstände wie zum Beispiel Heizungsrohre oder Wasserleitungen schlagartig wieder entlädt.

Eine Erhöhung der relativen Luftfeuchtigkeit auf ca. 50% verringert das Risiko elektrostatischer Aufladung deutlich. Die Luftfeuchte schlägt sich als feiner Film auf den nicht leitfähigen Materialien nieder und bewirkt die Ableitung eventuell auftretender Kleinstladungen.

Elektrische Schläge können als sehr unangenehm empfunden werden. Außerdem sind Schädigungen an empfindlichen elektronischen Bauteilen wie Computer-Mainboards oder Papierlauf-Störungen beim Drucken möglich.

Auf Bildschirmen und Schreibtischen führt statische Aufladung dazu, dass verstärkt Staubpartikel angezogen werden. Die Belastung der Innenraumluft mit feinsten Partikeln (Feinstaub) stellt ein Gesundheitsrisiko dar, das häufig unterschätzt wird. Quellen für Feinstaub im Büro zählen Tonerstäube von Laserdruckern, Baumaterialien und Verwirbelungen durch Kopierer. Hinzu kommen der Staub an den Schuhen und der Kleidung der Büroangestellten und alle durch die Klimaanlage oder durch Lüften eingebrachten Partikel.

Eine Luftfeuchte zwischen 40% und 60% bewirkt die Ansammlung feiner Kondenswassertröpfchen an den Feinstaubpartikeln. So erhöht sich, analog zu den Virenpartikeln aus Teil 1 dieser Serie, das Gewicht und der Umfang des Partikels, wodurch er schneller zu Boden sinkt.

Auf diese Weise trägt eine angepasste Luftfeuchtigkeit zur Reinigung der Luft bei und verringert die Wahrscheinlichkeit, dass Partikel in die Atemwege eindringen.

Im dritten Teil unserer Serie „Wohlfühlfaktor Raumluft“ erhalten Sie praktische Handlungsempfehlungen, die für frischen Wind am Schreibtisch sorgen.


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